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Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Das Problem ist bekannt: Sobald um das Sorgerecht gestritten wird, sei es zwischen Eltern oder Jugendamt mit Eltern, bedient sich das Gericht für seine Entscheidung einem Hilfsmittel, dem familienpsychologischen Gutachten. Dieses familienpsychologische Gutachten soll dem Gericht helfen, eine Entscheidung zu treffen. Oft ist es so, dass quasi die Entscheidung durch den Gutachter getroffen wird. Das, was der Gutachter heraus findet, was für das Kind am besten ist, wird dann vom Gericht beschlossen. Deshalb ist es wichtig, zu wissen wie man ein solches Gutachten auf Fehler prüft. Ich stelle vor: Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten.

Fachleute sind oft hilfreich

Dabei soll sich dieser Artikel nicht mit der Frage auseinandersetzen, ob man an einem solchen Gutachten teilnehmen soll. Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit einem bereits existenten Gutachten, welche Fehler man selbst aufdecken kann. Gleichwohl macht es einen erheblichen Unterschied, ob renommierte Gegengutachter wie Prof. Dr. Leitner oder Müller-Hahn oder man selbst als psychologischer Laie Fehler aufdeckt. Je nach Fall mag es daher angemessen sein, sich externer Hilfe zu bedienen. Dieser Artikel ist hier nur ein erster Leitfaden zur Hilfe zur Selbsthilfe, der niemals Expertisen solcher Fachleute ersetzen kann.

Zuallererst, möglichst noch vor Gutachtenerstattung, sollte man die Qualifikation des Gutachters abklären. Handelt es sich um einen einfachen Psychologen, einen psychologischen Psychotherapeuten, einen Psychiater? Hat der Gutachter bereits viele Gutachten erstattet? Ist er von einer Psychologenkammer als Sachverständiger anerkannt? Auf all das sollte man achten. Auch im Internet kann man sich über den Ruf informieren. Vielleicht kann man auch bei Gericht herausfinden, ob dort nur dieser Sachverständige tätig ist oder auch andere. Ein quasi Monopol spricht für eine gewisse Beeinflussbarkeit durch das Gericht.

Welches sind Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Weiterhin ist zu überprüfen, ob das Gutachten überhaupt prüffähig ist. Prüffähig heißt dass das Gutachten aus sich heraus verständlich sein muss. Alle Schlüsse des Gutachters müssen begründet sein. Für jede Begründung muss es Belege geben. Der Schluss muss logisch sein. Wenn dies nicht gegeben ist, dann muss das Gericht ein solches Gutachten ablehnen. Denn ein Gutachten, das man nicht auf Richtigkeit prüfen kann, ist für das gerichtliche Verfahren wertlos. An dieser Stelle möchte ich auch darauf hinweisen, dass selbstverständlich auch Literaturangaben und Ähnliches zu dieser Frage der Prüffähigkeit gehören. Es ist wichtig zu prüfen, ob die behaupteten Aussagen der Fachliteratur so richtig sind. Ein anderes häufiges Problem ist die Tatsache, dass oftmals die Gerichte auch sehr alte Literatur zulassen. Dabei muss ein Gutachten immer den aktuellen Stand der Forschung und Wissenschaft wiedergeben.

Eine weitere wichtige Frage ist, ob denn der Sachverständige auch alle Tests die er geführt hat auch im Gutachten verwendet und verwertet. Er kann nicht einfach missbilligte Ergebnisse unter den Tisch fallen lassen. Weiterhin gehört zu einer seriösen Prüffähigkeit die Übergabe der Bögen, die für die Tests ausgefüllt worden. Denn nur so kann auch geprüft werden, ob die Tests richtig ausgewertet wurden. Ich habe selbst auch immer nach den entsprechenden Tests im Internet gesucht, oftmals finden sich hier Anhaltspunkte was falsch oder richtig ist. Ein Elternfragebogen kann z.B. nicht durch eine Lehrerin ausgefüllt werden. Ein Fragebogen für einen sechsjährigen kann nicht durch einen siebenjährigen beantwortet werden. Oftmals vergessen die Sachverständigen auch das Ergebnis des konkreten Tests in Korrelation zum Durchschnitt aller, die den Test ausgeübt haben anzugeben. Wenn Auffälligkeiten behauptet werden, muss ein Abweichen von der Norm bestehen. Wer aber nicht schlüssig dargelegt, dass ein Abweichen von der Norm besteht kann hier auch nicht negativ über einen Probanden sprechen.
Weiter ist zu hinterfragen, ob der Sachverständige auch die ganze Akte berücksichtigt hat. Oftmals kommt es vor, dass im Rahmen der Aktenanalyse zum einen unsystematisch vorgegangen wird. Oftmals wird dem Sachverständigen auch vom Gericht nur ein Teil aller Informationen zur Verfügung gestellt. Am häufigsten ist es so, das Sachverständige nicht alle Informationen berücksichtigen, sondern einseitig Informationen zulasten einer Person.

Ist alles von einem Psychologen ein Gutachten?

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass auch nicht alles ein Gutachten ist, was so benannt ist. Z.B. gibt es reine Stellungnahmen, wenn ohne Exploration von Kind und ohne Exploration der Eltern und ohne Interaktionsbegutachtung ein Gutachten nach Aktenlage erfolgt. Denn wenn keine der drei Säulen der familienpsychologischen Begutachtung ausgeführt sind, liegt eben auch kein Gutachten vor, sondern eher an Kaffeesatzleserei grenzendes Vorgehen.
Spannend ist auch die Frage, ob der Sachverständige Zeugen hören darf, ohne dass sie hier mit anwesend sind. Zwar mag im Rahmen seines Auftrages der Sachverständige hierzu ermächtigt sein. Man muss dies aber sofort bemängeln und um Richtigstellung ersuchen, so dass eine ordentliche Beweisaufnahme vor Gericht stattfindet. Viel besser finde ich aber, wenn wir von Anfang an beim Gericht darauf hinwirken dass die Beweisaufnahme vor der Begutachtung stattfindet. So sind Fehlreaktionen aufgrund Fehlgutachten via einstweilige Anordnungen vermeidbar.

Soweit psychiatrische Erkrankungen eine Rolle spielen, dass ein normaler Psychologe nicht mehr tätig sein. Denn für solche Diagnostik benötigt man eine Approbation. Ein Psychologe ist hierzu nicht in der Lage. Behauptungen, jemand sei krank, kommen vor, sind aber strafbare Verleumdung. Zwar wird die Auffassung vertreten, dass im Rahmen des Auftrags zum Gutachten Psychologen alles dürfen. Meiner Meinung nach ist § 1PsychThG aber deutlich andere Meinung und verbietet jedem gegenteiliges Handeln.

Wichtig ist dass alle Tatsachenbehauptungen im Gutachten von Dritten sofort mit Gegenbeweisen widerlegt werden. Sobald aber eine Aussage vom Sachverständigen zulasten berücksichtigt wird, obwohl es auch Gegenbeweise gibt, sind die Anknüpfungstatsachen nicht geklärt und das Gutachten unverwertbar. Hier ist die Arbeit der Eltern gefragt, die selber am besten Lügen beurteilen können.

Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Dies ist nur ein kleiner Überblick über mögliche Problempunkte und wie diese Problempunkte angegangen werden können. Ergänzend habe ich eine Reihe an Videos hierzu veröffentlicht, die zu den einzelnen angesprochenen Punkte und mehr noch mehr ins Detail gehen als dieser Artikel. Denn leider sind häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten alltag…

Weiterführend: Artikel von Leitner

Testverfahren: Brickenkamp Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests

Testverfahren erklärt und bewertet: Hier nachsehen: Brickenkamp Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests
Kanal mit Hilfe für Selbsthilfe von Activisten inbesondere im Sozialrecht und Familienrecht mit Legal Information

Gutachten: Pictogramm http://www.freepik.com/free-vector/bu… Designed by Freepik

Was jeder Anwalt im Familienrecht weiß: im Kampf ums Sorgerecht ist beinahe jedes zweite Gutachten mangelhaft. Sachverständige arbeiten unwissenschaftlich und unsauber. Wie man die häufigsten Fehler der Psychologen und Psychiater erkennt, das schildere ich in dieser Reihe, damit nicht weiter mit Kindern Kasse gemacht wird. Somit kann man auch ohne Anwalt oder ohne ein psychologisches Studium versuchen bei Gericht gegen ein solches Gutachten anzugehen.

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Bitte Ansehen!: „Skandalurteil gegen Jo C. und Angela M. – Ein Kommentar auch zum Echten Unterlassungsdelikt“
https://www.youtube.com/watch?v=IR7mk…
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