Hart aber fair zum Justizversagen – und Thomas Fischer zu hart aber fair

Habt Ihr die Sendung „Hart aber fair“ zum Thema „Überlastet, überfordert, zu lasch – Was läuft schief bei den Gerichten?“ gesehen? Ich bisher noch nicht, ich war ja „entschuldigt„. Werde es aber bei Gelegenheit nachholen.

Hart aaaaaaaaaaa

Spannend ist dass Thomas Fischer, ehemaliger Richter am BGH und wichtigster Kommentator im Strafrecht, seine eigene Meinung wiedergibt.

Nach Fischer ist die Sendung wie folgt zusammenzufassen:

Na gut. Die Gedanken sind frei, die Presse auch. Man kann weder Herrn Plasberg noch sonst jemandem vorschreiben, wann er sich zu schämen hat für die Anhäufung von fünf Viertelstunden kenntnisfreier Panikmache und rechtspolitischer Scharfmacherei auf sehr niedrigem Niveau.

Man muss aber anmerken, dass Medien, denen es um die Bevölkerung, ihre Sicherheit und ihr Gefühl davon geht, so nicht agieren würden. Strafrecht, Prävention, Rechtspolitik sind wichtig und für die meisten BürgerInnen hochinteressant. Man kann mit ihnen differenziert, intelligent und angemessen darüber sprechen, auch ohne kriminologisches Seminar. Plasbergs Format hat diese Aufgabe in jeder Hinsicht verfehlt.

 

Ich verstehe dass Vereinfachungen in der Presse oft für den Juristen schwer nachzuvollziehen sind. Ich selber schreibe ja auch immer dass ich ohne Kenntnis der Akte nichts sagen will, weil eben viel Detailwissen über Schlagzeilen verloren geht. Hinzu kommt, dass Journalisten die in Terminen anwesend sind oft zuwenig fachinformiert sind und damit einfach Zusammenhänge falsch verstehen oder falsch widergeben. Trotzdem finde ich die pauschale Kritik – ohne die Sendung gesehen zu haben – von Thomas Fischer unangebracht, weil es für mich als pauschale Verteidigung der Justiz klingt. Anscheinend darf nur Fischer alle anderen kritisieren, der Strafrechtsgott scheint keine anderen Götter oder Kritiker neben sich zu dulden.

 

Fakt ist dass man auch ohne Aktenkenntnis mitdiskutieren darf und auch abweichende Meinungen haben darf – denn genau dieses Recht nimmt ja Fischer für sich in Anspruch. Es muss daher auch für Journalisten oder Bürger wie du und mich erlaubt sein zu kritisieren. Denn nur so haben wir eine Chance, nachhaltig etwas zu ändern UND dabei auf alle Meinungen und Sichtweisen einzugehen – was einem Rechtsstaats würdig wäre. Schlechte Sendung kritisieren ja, aber bitte eben nicht gleich nur diskreditieren. Das gilt für Hart aber fair ebenso wie für Thomas Fischer.

 

Was denkt Ihr?

 

3 Kommentare
  1. Johannes
    Johannes says:

    Nun – ich bin kein Jurist, aber habe die Sendung etwa zur Hälfte gesehen. Ich habe sie als ähnlich grottenschlecht erlebt, wie von Fischer beschrieben. (Deshalb habe ich mir den Rest auch nicht mehr angetan, sondern was anderes gesehen.)

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  2. Raddi
    Raddi says:

    Nun ja – ich denke allerdings auch, dass der vom Kabarettisten Dieter Nuhr mal vor etlichen Jahren kreierte Grundsatz „Wer keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten“ durchaus in unserer, ganz speziell von ahnungslosen Meinungen geprägte, Zeit ganz hilfreich wäre. Genau diesen Grundsatz nämlich trägt Fischer sehr prononciert vor sich her. Ich finde das berechtigt. „Diskussionen“ und „Meinungen“ von Leuten, die nur sehr begrenzt wissen, wovon sie überhaupt reden, nützen schlicht nichts. Punkt. Mehr ist da nicht…

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  1. […] Hart aber fair zum Justizversagen – und Thomas Fischer zu hart aber fair – die Sendung war fürchterliche ? , […]

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