Menschenwürde: In Klinik ans Bett gefesselt

Die Menschenwürde ist unantastbar, sagt Art. 1 unseres Grundgesetzes. Ob die Realität auch so aussieht, erzähle ich Euch in dieser Anekdote aus meinem Arbeitsalltag als Rechtsanwalt…

Menschenwürde

Manchmal passieren auch solche Dinge: Ein Sterbenskranker wird am Ende seiner Tage noch seiner letzten Würde beraubt. Und das, obwohl die Menschenwürde ja unantastbar sein soll. Menschenwürde, das übergeordnete Verfassungsprinzip unseres Grundgesetzes.

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Nach ständiger Definition ist die Würde des Menschen nicht nur durch staatliche Organe zu wahren, was die eigentliche Intention der Grundrechte als Abwehrrechte dem Staat gegenüber angeht, sondern bindet jeden einzelnen von uns. Die Menschenwürde ist immer dann tangiert, wenn jemand zu bloßem Objekt (staatlichen) Handelns wird, also die Individualität ignoriert wird und man unabhängig von seiner selbst nur als Objekt wahrgenommen und so behandelt wird.

Die bayrische Krebsklinik

In einer bayrischen Krebsklinik wurde also ein Mensch eingeliefert, um behandelt oder am Ende des Weges begleitet zu werden. Da solcherlei Begleitungen sowohl zeit- als auch aufwandsintensiv sind, wenn Menschen eben nicht nur mit Medikamenten vollgeschossen werden ist bekannt. Dies rechtfertigt aber nicht, den Arbeitsaufwand gering zu halten und ein Fesseln an ein Bett einzuleiten. Zwar weiss jeder, dass solcherlei Einschränkungen nur richterlich angeordnet werden dürfen, aber was kümmert das eine überforderte Nachtschwester? Der Mensch musste also mindestens eine Nacht fixiert in seinem Bett verbringen, weil er zuviel Zeit für sich beansprucht hat. Gottseidank stellte das der Stationschef am nächsten Tag sofort ab, als er informiert wurde. Gleichwohl ist es bedenklich dass es hierzu überhaupt kommen könne.
Ruhe in Frieden, Herr M., ich werd Sie immer in meiner Erinnerung bewahren. War eine schöne, intensive Zeit…
(Überarbeitet am 27.02.2018)
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