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Patentrezept bei Sorgerechtsentzug

Ich werde immer wieder gefragt, ob es denn ein Patentrezept bei Sorgerechtsentzug gibt? Kommt man in die unglückliche Lage, sich gegen Sorgerechtsentzug in einer Hauptsache zu wehren oder sogar nach Bestandskraft eine neue Entscheidung zur Abänderung anzustreben, ist solch ein Wunsch nachvollziehbar. Wie schön wäre es, wenn man einfach einen Musterschriftsatz rausschicken könnte, um das Verfahren zu gewinnen. Ich bin da aber auch ehrlich: Hätte ich einen solchen Musterschriftsatz, würde ich den nur gegen teuer Geld rausgeben. 5000 € aufwärts oder so. Leider, sowohl für mich als auch für Euch, gibt es eben kein Patentrezept.

 

Am nächsten kommt noch die Vorsorge

 

Am nächsten kommt einer solchen Rezeptur noch die Vorsorge: Argumente und Fehler im Ausgangs-eA-Verfahren bzw. Ausgangs-Hauptsache-Verfahren zu vermeiden ist die beste Chance gegen solche verlorenen Verfahren. Vorsorge vor Nachsorge! Hierzu gibt es für euch meine Serie „Häufige Fehler im Kampf ums Kind“

 

 

Was wenn das OLG alles ignoriert hat?

 

Doch was wenn man solche Fehler gemacht hat oder trotzdem die Gerichte anders entschieden haben? Dann beginnt der harte Teil der Arbeit. Es ist in der Abänderungsfrage nicht ausreichend, alleine Entscheidungen zu zitieren, warum die Ur-Entscheidungen falsch sind, sondern eben auch mitzuteilen, dass diese dem Kindswohl nachhaltig schaden. Dazu ist eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation von nöten, was aber oft an ehrlichen Informationen scheitert.

Zudem sollte man alternative Schutzkonzepte anbieten, sollte laut Erstentscheidung ein Defizit bestehen, damit man zumindest so tut als ob man etwas geändert habe. Regelmäßige Kinderarztbesuche schützen gegen eine Vielzahl von Missshandlungsvorwürfen ebenso wie enger Kontakt mit Lehrern/Erziehern. Manchmal ist es ach ratsam, Sportvereine mit ins Boot zu holen. Je mehr – insbesondere vom Jugendamt – unabhängige Parteien sich für das Kindswohl verbürgen, desto besser sind die Erfolgschancen am Ende.

 

SPFH?

 

Eine sozialpädagogische Familienhilfe ist eine weitere Option, die aber wegen der Nähe zum Jugendamt gefahren birgt. Nur wenn es wirklich keine anderen (Schutz)Optionen gibt, egal ob vorgeschoben oder ehrlich gemeint, je nachdem ob die Vorwürfe gegen die Eltern substantiell sind oder nicht, sollte man insoweit in den saueren Apfel beissen und der Installation einer SPFH zustimmen.

 

Garantien? Negativ.

 

Leider gibt es auch mit den obigen Ratschlägen keine Erfolgsgrantie. Anwälte, die damit werben dass sie für x € ein Kind zurück holen verschweigen, dass dies nicht immer gelingen kann. Natürlich kann ein guter Anwalt Unterstützen und Fehler auch der Eltern offen ansprechen, ohne gleich als Mitarbeiter des Jugendamtes gebranntmarkt zu werden. Zudem fällt es Anwälten leichter, aus den umfangreichen Akten wichtiges von unwichtigem zu separieren. Denn sich um Detail verlieren birgt meist die Gefahr alles zu verkennen, was definitiv falsch ist.

 

Eigene Dokumente

 

Auch kann es helfen, einen Kompetenzfortschritt auf dem Papier zu begründen. Kurse, Beratungsangebote, auch Traumatheraphien oder Psychiatrische Untersuchungen sollte man nicht vorschnell ablehnen – insbesondere vor einem Verfahren hat man alle Trümpfe in der Hand, eigene Hilfen auszusuchen und vorzulegen. Man sollte zudem das Jugendamt zwingen, mitzuhelfen bei der Frage was angeblich geändert werden muss. Zwar sollten alle Entscheidungen so gut geschrieben sein, dass man unschwer diese Fakten selbst herauslesen kann. Aber oft ist es auch so, dass man das nicht herausfinden kann. Daher sollte man das Jugendamt zwingen hier Farbe zu bekennen.

 

Anwalt

 

Es bleibt dabei: Ein guter Anwalt hilft hier enorm. Alleine ist es oft schwer zu bestehen. Und: Mit jedem erfolglosen Kampf wird es schwerer, ein Kind nach Hause zu holen.

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