Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen, sagt der Moderator

Nachteile Inobhutnahme berücksichtigen

Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen

Richter müssen bei ihrer Entscheidungsfindung die Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen. Nur wenn eine Maßnahme weniger eingreifend als der Verbleib im Elternhaus ist, ist ein Sorgerechtsentzug gerechtfertigt. Das hat der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung BGH XII ZB 247/11 entschieden:

https://www.youtube.com/watch?v=5rGMJc39PTg

 

An der Eignung fehlt es nicht nur, wenn die Maß-
nahme die Gefährdung des Kindeswohls nicht beseitigen kann. Vielmehr ist die
Maßnahme auch dann ungeeignet, wenn sie mit anderweitigen Beeinträchtigungen
des Kindeswohls einhergeht und diese durch die Beseitigung der festgestellten
Gefahr nicht aufgewogen werden (vgl. Senatsbeschluss vom 11. Juli
1984 – IVb ZB 73/83 – FamRZ 1985, 169, 171 – zu § 1671 BGB – OLG Hamm
FamRZ 2007, 1677; BayObLG FamRZ 1998, 1044; Staudinger/Coester BGB
[2009] § 1666 Rn. 212 mwN; vgl. auch Gottschalk FPR 2007, 308, 309 f.).

Bundesgerichtshof in BGH XII ZB 247/11 Rn. 29

Staatliche Maßnahme darf nicht zu mehr oder gleicher Schädigung führen

Dies ist ein wichtiges Thema, das in vielen, wenn nicht den meisten Entscheidungen vollkommen unberücksichtigt bleibt: Was ist wenn die psychischen Schäden bei einer gewaltsamen Herausnahme aus der Familie die Schäden übersteigen, die ein Kind im Elternhaus nehmen könnte? Dann ist die Herausnahme unzulässig, weil es keine geeignete Maßnahme gibt um die Kindswohlgefährdung auszuschalten.

Der Bundesgerichtshof setzt sich sehr überzeugend mit dieser Problematik auseinander, die in der Realität oft ignoriert wird. Was offenkundig ist, wird hier zu Papier gebracht: Das was der Staat tut muss nicht immer nur positiv für ein Kind sein. Nur wenn die Vorteile der Maßnahme die Nachteile in der Familie überwiegen, darf der Staat tätig werden.

Dazu führt der BGH aus:

Selbst wenn demnach die Maßnahme als solche für die Belange, in denen das
Kindeswohl gefährdet ist, die erwünschten Wirkungen entfaltet, ist sie dennoch
ungeeignet, wenn sie in anderen Belangen des Kindeswohls wiederum eine
Gefährdungslage schafft und deswegen in der Gesamtbetrachtung zu keiner
Verbesserung der Situation des gefährdeten Kindes führt.

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