Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen, sagt der Moderator

Nachteile Inobhutnahme berücksichtigen

Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen

Richter müssen bei ihrer Entscheidungsfindung die Nachteile der Inobhutnahme berücksichtigen. Nur wenn eine Maßnahme weniger eingreifend als der Verbleib im Elternhaus ist, ist ein Sorgerechtsentzug gerechtfertigt. Das hat der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung BGH XII ZB 247/11 entschieden:

https://www.youtube.com/watch?v=5rGMJc39PTg

 

An der Eignung fehlt es nicht nur, wenn die Maß-
nahme die Gefährdung des Kindeswohls nicht beseitigen kann. Vielmehr ist die
Maßnahme auch dann ungeeignet, wenn sie mit anderweitigen Beeinträchtigungen
des Kindeswohls einhergeht und diese durch die Beseitigung der festgestellten
Gefahr nicht aufgewogen werden (vgl. Senatsbeschluss vom 11. Juli
1984 – IVb ZB 73/83 – FamRZ 1985, 169, 171 – zu § 1671 BGB – OLG Hamm
FamRZ 2007, 1677; BayObLG FamRZ 1998, 1044; Staudinger/Coester BGB
[2009] § 1666 Rn. 212 mwN; vgl. auch Gottschalk FPR 2007, 308, 309 f.).

Bundesgerichtshof in BGH XII ZB 247/11 Rn. 29

Staatliche Maßnahme darf nicht zu mehr oder gleicher Schädigung führen

Dies ist ein wichtiges Thema, das in vielen, wenn nicht den meisten Entscheidungen vollkommen unberücksichtigt bleibt: Was ist wenn die psychischen Schäden bei einer gewaltsamen Herausnahme aus der Familie die Schäden übersteigen, die ein Kind im Elternhaus nehmen könnte? Dann ist die Herausnahme unzulässig, weil es keine geeignete Maßnahme gibt um die Kindswohlgefährdung auszuschalten.

Der Bundesgerichtshof setzt sich sehr überzeugend mit dieser Problematik auseinander, die in der Realität oft ignoriert wird. Was offenkundig ist, wird hier zu Papier gebracht: Das was der Staat tut muss nicht immer nur positiv für ein Kind sein. Nur wenn die Vorteile der Maßnahme die Nachteile in der Familie überwiegen, darf der Staat tätig werden.

Dazu führt der BGH aus:

Selbst wenn demnach die Maßnahme als solche für die Belange, in denen das
Kindeswohl gefährdet ist, die erwünschten Wirkungen entfaltet, ist sie dennoch
ungeeignet, wenn sie in anderen Belangen des Kindeswohls wiederum eine
Gefährdungslage schafft und deswegen in der Gesamtbetrachtung zu keiner
Verbesserung der Situation des gefährdeten Kindes führt.

Wichtige Entscheidungen im Sorgerecht

Diese und andere Entscheidungskommentierungen könnt Ihr auch in meinem Buch „wichtige Entscheidungen im Sorgerecht“ nachlesen und auf Amazon sowie in jedem Buchhandel erwerben:

  • ISBN-13: 978-1535252812, Preis 8,55 €

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Videoscreenshot aus Keine Entziehung ohne gesicherte Ermittlungsgrundlage

Keine Entziehung ohne gesicherte Ermittlungsgrundlage

Nur wenn ausreichend sicher eine Kindswohlgefährdung festgestellt ist und die Ermittlungs- und Entscheidungsgrundlage sicher feststeht, kann die elterliche Sorge entzogen werden. Denn eine Entziehung ohne gesicherte Ermittlungsgrundlage, wenn die Gefahr dann erst in der Hauptsache eruiert werden soll, ist verfassungswidrig. Dass es hierzu erst eine verfassungsgerichtliche Entscheidung benötigt hat, mag Angesichts der Offenkundigkeit schwer nachzuvollziehen sein. Deshalb sollte man diese Entscheidung kennen:

Das sagt das Bundesverfassungsgericht zur Ermittlungsgrundlage

„Das Gericht hat – auch nach eigener Einschätzung – nicht auf gesicherter Ermittlungsgrundlage entschieden; es beabsichtigt, das aus seiner Sicht notwendige Sachverständigengutachten, das sowohl psychiatrischen wie familienpsychologischen Sachverstand erfordere, erst in einem Hauptsacheverfahren einzuholen. Wegen der Intensität des Grundrechtseingriffs durfte der die Wegnahme des Kindes vorbereitende Sorgerechtsentzug auf diesen vorläufigen Ermittlungsstand nur dann gestützt werden, wenn die Gefahr einer schweren und zeitlich nahen Kindeswohlgefahr bestand, die ein Abwarten der Hauptsacheentscheidung ausschloss.“

1 BvR 3121/13
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2014/04/rk20140407_1bvr312113.html

 

Nur in engem Rahmen sind Eingriffe in das Elternrecht zulässig

Diese Entscheidung ist wichtig für den Kampf gegen das Jugendamt und um das Sorgerecht. Richter entscheiden zu oft auf Basis ihrer Unabhängigkeit, aber ohne ausreichend Ermittlungsgrundlagen zu haben. Den Sachverhalt erst in der Hauptsache zu ermitteln ist unzulässig. Wie auch der BGH in XII ZB 68/09 ausgeführt hat, sind die Anknüpfungstatsachen rechtzeitig und insbesondere vor einem Gutachten zu klären, durch den Richter. Insoweit kann man denklogisch, und hierauf weist das Gericht hin, nicht die Sorge (in Teilbereichen) entziehen und dann erst aufklären. Dies widerspricht nicht nur dem Grundgedanken des §1666 BGB, der eine Kindswohlgefährdung voraussetzt, sondern eben auch Art. 6 II GG, der Eingriffe in die elterliche Sorge nur in sehr engem Rahmen zulässt. Dieser enge Rahmen kann nicht verlassen werden, um präventiv ohne gesicherte Grundlagen einzugreifen in eines der höchsten Güter unserer Verfassung: Das Elternrecht.

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Logobild Onlinekurs

Onlinekurs Sorgerechtsentzug vermeiden

Neu: Onlinekurs „Sorgerechtsentzug vermeiden“ jetzt auf ActiviNews!

Wir beginnen mit dem Thema

Onlinekurs Sorgerechtsentzug vermeiden am 05.01.2018 ab 19 Uhr

https://www.facebook.com/events/136556427023073/

Sorgerechtsentzug vermeiden

Wir starten in 2018 durch mit dem ersten Onlineseminar „Sorgerechtsentzug vermeiden – Strategien, Lösungsansätze, rechtliche Möglichkeiten“

Kursinhalte

Der Kurs gibt einen Überblick bei Möglichkeiten im drohenden Sorgerechtsentzug bzw. bei drohender Inobhutnahme.
Besprochen wird
– welche Möglichkeiten es gibt Risiken zu verhindern
– wie man an Informationen kommt, die das Jugendamt vorenthält
– wie man rechtlich gegenüber dem Jugendamt reagieren kann
– wann eine Schutzschrift Sinn macht und wann nicht
– welche taktischen Möglichkeiten dem Jugendamt den Wind aus den Segeln nehmen

und vieles mehr.

Wer hält den Kurs

Den Kurs hält Michael Langhans, Volljurist und bis 2017 in einigen der spektakulärsten Sorgerechtsverfahren damals als Anwalt involviert.

Kosten

Der Kurs kostet Einführungspreis 25 € pro Person, die Gebühren müssen vor Kursbeginn per PayPal oder Überweisung bezahlt sein.
Beinhaltet ist ein Skript und die Möglichkeit, nach Kursende Fragen zu stellen.

Technische Voraussetzungen

Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Internetfähiger PC, optional noch Skype oder Google Hangout im Browser.

Steady Supporter Rabatt:

Supporter von Activinews können die einmalige Monatsgebühr von der Kursgebühr in Abzug bringen und zahlen damit je nach Supportpaket nur 15 €, 20 € oder 23 €.

 

Anmeldung

Anmeldungen bitte via Facebook Nachricht an ActiviNews Nachricht oder Mail redaktion@activinews.com

Langhans referiert über Bundesverfassungsgericht

Richter sind nur an das BVerfG gebunden

Was viele nicht wissen: Richter sind nur an das Bundesverfassungsgericht gebunden. BGH und OLG Entscheidungen müssen nicht übernommen werden. Von diesen kann ein Richter mit guten Argumenten abweichen. Aber Entscheidungen des BVerfG sind absolut und verbindlich.

Logo Artikel Patentrezept Sorgerechtsentzug

Patentrezept bei Sorgerechtsentzug

Ich werde immer wieder gefragt, ob es denn ein Patentrezept bei Sorgerechtsentzug gibt? Kommt man in die unglückliche Lage, sich gegen Sorgerechtsentzug in einer Hauptsache zu wehren oder sogar nach Bestandskraft eine neue Entscheidung zur Abänderung anzustreben, ist solch ein Wunsch nachvollziehbar. Wie schön wäre es, wenn man einfach einen Musterschriftsatz rausschicken könnte, um das Verfahren zu gewinnen. Ich bin da aber auch ehrlich: Hätte ich einen solchen Musterschriftsatz, würde ich den nur gegen teuer Geld rausgeben. 5000 € aufwärts oder so. Leider, sowohl für mich als auch für Euch, gibt es eben kein Patentrezept.

 

Am nächsten kommt noch die Vorsorge

 

Am nächsten kommt einer solchen Rezeptur noch die Vorsorge: Argumente und Fehler im Ausgangs-eA-Verfahren bzw. Ausgangs-Hauptsache-Verfahren zu vermeiden ist die beste Chance gegen solche verlorenen Verfahren. Vorsorge vor Nachsorge! Hierzu gibt es für euch meine Serie „Häufige Fehler im Kampf ums Kind“

 

 

Was wenn das OLG alles ignoriert hat?

 

Doch was wenn man solche Fehler gemacht hat oder trotzdem die Gerichte anders entschieden haben? Dann beginnt der harte Teil der Arbeit. Es ist in der Abänderungsfrage nicht ausreichend, alleine Entscheidungen zu zitieren, warum die Ur-Entscheidungen falsch sind, sondern eben auch mitzuteilen, dass diese dem Kindswohl nachhaltig schaden. Dazu ist eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation von nöten, was aber oft an ehrlichen Informationen scheitert.

Zudem sollte man alternative Schutzkonzepte anbieten, sollte laut Erstentscheidung ein Defizit bestehen, damit man zumindest so tut als ob man etwas geändert habe. Regelmäßige Kinderarztbesuche schützen gegen eine Vielzahl von Missshandlungsvorwürfen ebenso wie enger Kontakt mit Lehrern/Erziehern. Manchmal ist es ach ratsam, Sportvereine mit ins Boot zu holen. Je mehr – insbesondere vom Jugendamt – unabhängige Parteien sich für das Kindswohl verbürgen, desto besser sind die Erfolgschancen am Ende.

 

SPFH?

 

Eine sozialpädagogische Familienhilfe ist eine weitere Option, die aber wegen der Nähe zum Jugendamt gefahren birgt. Nur wenn es wirklich keine anderen (Schutz)Optionen gibt, egal ob vorgeschoben oder ehrlich gemeint, je nachdem ob die Vorwürfe gegen die Eltern substantiell sind oder nicht, sollte man insoweit in den saueren Apfel beissen und der Installation einer SPFH zustimmen.

 

Garantien? Negativ.

 

Leider gibt es auch mit den obigen Ratschlägen keine Erfolgsgrantie. Anwälte, die damit werben dass sie für x € ein Kind zurück holen verschweigen, dass dies nicht immer gelingen kann. Natürlich kann ein guter Anwalt Unterstützen und Fehler auch der Eltern offen ansprechen, ohne gleich als Mitarbeiter des Jugendamtes gebranntmarkt zu werden. Zudem fällt es Anwälten leichter, aus den umfangreichen Akten wichtiges von unwichtigem zu separieren. Denn sich um Detail verlieren birgt meist die Gefahr alles zu verkennen, was definitiv falsch ist.

 

Eigene Dokumente

 

Auch kann es helfen, einen Kompetenzfortschritt auf dem Papier zu begründen. Kurse, Beratungsangebote, auch Traumatheraphien oder Psychiatrische Untersuchungen sollte man nicht vorschnell ablehnen – insbesondere vor einem Verfahren hat man alle Trümpfe in der Hand, eigene Hilfen auszusuchen und vorzulegen. Man sollte zudem das Jugendamt zwingen, mitzuhelfen bei der Frage was angeblich geändert werden muss. Zwar sollten alle Entscheidungen so gut geschrieben sein, dass man unschwer diese Fakten selbst herauslesen kann. Aber oft ist es auch so, dass man das nicht herausfinden kann. Daher sollte man das Jugendamt zwingen hier Farbe zu bekennen.

 

Anwalt

 

Es bleibt dabei: Ein guter Anwalt hilft hier enorm. Alleine ist es oft schwer zu bestehen. Und: Mit jedem erfolglosen Kampf wird es schwerer, ein Kind nach Hause zu holen.

Zusammenhalten - Titelbild

Zusammenhalten gegen das Jugendamt

Den größten Fehler, den Eltern im Kampf gegen das Jugendamt machen können, ist der Streit untereinander. Haltet zusammen gemeinsam gegen das Jugendamt! Nur wenn die Eltern gemeinsam an einem Strang ziehen, ist die Wahrscheinlichkeit zu obsiegen groß. Die erste Maßnahme, die Eltern Zusammenhalten - Titelbildgemeinsam ausführen im Kampf gegen das Jugendamt, sollte es immer sein einen Anwalt für das oder die Kinder gemeinsam zu bestellenden. Damit wäre dann von Anfang an eine ausgeglichene weil faire Verfahrenssituation gegeben. Üblicherweise stehen die Eltern auf der einen Seite, Ihnen gegenüber Richter, Jugendamt, Amtsvormund, Gutachter und Verfahrens. Diese Phalanx zu durchbrechen ist ein Coup, der in der Regel des Gerichts irritiert und für ausgeglichene Kräfte sorgt. Daher immer Zusammenhalten, auch wenn es schwer fällt!

Beratungsdefizite Anwälte

Leider zeigt die Praxis, dass wenige Anwälte auf diesen verfahrensrechtlichen Kniff hinweisen. Für mich wäre dies bereits ein KO Kriterium bei der Auswahl eines Anwaltes. Wenn die Eltern an dieser Stelle richtig aufgeklärt werden und zusammenhalten, sind die Chancen größer! Gute Anwälte weisen darauf hin. Dass dies in Missbrauchs und Gewaltfällen nicht funktionieren kann und darf, versteht sich aber auch von selbst.

Keine Angriffsfläche durch Zusammenhalten

Natürlich ist das größere Problem, dass Eltern die miteinander streiten,m eine viel größere Angriffsfläche bieten als es notwendigerweise berücksichtigt werden. Das Jugendamt kann sich dann immer den Schwächeren aussuchen als Verbündeten, von diesem Argumente gegen den Elternteil finden oder erfinden lassen und damit das Verfahren beeinflussen. Eltern die schlecht übereinander reden, bieten die perfekte Argumentation für eine Inobhutnahme. Eltern die sachlich ihre Vorteile ausweisen hingegen bieten diese Angriffspunkte nicht.

Oft nicht praktikabel

Natürlich gibt es Fälle, in denen man nicht umhin kommt negatives um das Kind zu schützen auf den Tisch zu legen. Der übliche Fall aber, wer sich besser um ein Kind kümmern kann, ist ebenfalls nicht geeignet ein Kind zu retten, außer man arbeitet zusammen.

Nur Zusammenhalten -für das Kind

Ich würde mir wünschen, dass die oftmals verhärteten Elternpositionen zu Gunsten der Kinder aufgeweicht werden, soweit dies aufgrund der konkreten Familienhistorie möglich ist. Nur so haben die Eltern eine Chance, eine ausgeglichene Pattsituation gegen einen übermächtigen Staat zu erreichen und das Verfahren möglichst offen zu gestalten.

Wie verhält es sich mit der Verhältnismäßigkeit?

Verhältnismäßig

Maßnahmen im Sorgerecht müssen verhältnismäßig sein. D.h. das die entsprechende Gefahr für das Kindeswohl nicht auf andere Art und Weise als durch Wegnahme des Kindes beseitigt werden kann. Solange es also andere Alternativen gibt, die erfolgreich sein können, kann ein Kind nicht aus einer Familie herausgenommen werden. Diesem Grundsatz verkennen Gerichte und Jugendämter häufig. Eine Inobhutnahme ist dann unzulässig, wenn es andere Möglichkeiten zur Gefahrsbeseitigung gibt. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn man einer anderen ärztlichen Meinung folgt als es das Jugendamt präferiert. Im Alltag stößt man hier aber an erhebliche Probleme: Denn Jugendämter wollen partout ihre Sicht der Dinge durchdrücken und haben oft kein Auge für andere Möglichkeiten der Problemlösung. Nach dem verfassungsrechtlich aber nicht die perfekte Erziehung geschuldet ist gibt es hier keinen Vorrang vor einer staatlichen Umerziehung. Wie verhält es sich mit der Verhältnismäßigkeit?

Beratung durch Jugendamt

Eigentlich wäre es Aufgabe der Jugendämter, hier beraterisch tätig zu sein. Im Alltag Versagen die Behörden regelmäßig. Oft verkennen sie andere Lösungen oder beraten gar nicht über Möglichkeiten, Verschweigen Kontaktanschriften oder Fragen bei Maßnahmen nicht nach offenen Plätzen. Hier ist Engagement der Eltern mithilfe des Internets gefragt. Sucht selbst Alternativen, auf Mutter-Kind-Heime, Kursen, Beratungsstellen. Verlasse euch nie auf die Aussagen des Jugendamtes. Selbsthilfe ist besser als sich auf Dritte zu verlassen. Es geht ja um eure Kinder.

Reduziert Inobhutnahmerisiko

Je mehr Möglichkeiten ihr anbietet, desto höher werden die Hürden für eine Inobhutnahme. Habt Ihr berechtigte Zweifel am weiteren Vorgehen des Jugendamtes, überlegt euch eine Schutzschrift zu hinterlegen, in der ihr deutlich macht, dass ihr kompromissbereit seid. Für ein Gericht oder Beschwerdegericht beschädigt, diese Hürden des §§ 1666 BGB zu nehmen, wenn eine Vielzahl von Hilfeangeboten konkret angeboten und möglich sind. Zwar muss man oftmals auch darauf hinweisen, dass die Annahme von Hilfsangeboten weitere Risiken und Gefahren beinhaltet. Wenn aber oberstes Ziel die Vermeidung einer Inobhutnahme ist, dann sind eigene Vorschläge meiner Meinung nach alternativ los.

Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Das Problem ist bekannt: Sobald um das Sorgerecht gestritten wird, sei es zwischen Eltern oder Jugendamt mit Eltern, bedient sich das Gericht für seine Entscheidung einem Hilfsmittel, dem familienpsychologischen Gutachten. Dieses familienpsychologische Gutachten soll dem Gericht helfen, eine Entscheidung zu treffen. Oft ist es so, dass quasi die Entscheidung durch den Gutachter getroffen wird. Das, was der Gutachter heraus findet, was für das Kind am besten ist, wird dann vom Gericht beschlossen. Deshalb ist es wichtig, zu wissen wie man ein solches Gutachten auf Fehler prüft. Ich stelle vor: Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten.

Fachleute sind oft hilfreich

Dabei soll sich dieser Artikel nicht mit der Frage auseinandersetzen, ob man an einem solchen Gutachten teilnehmen soll. Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit einem bereits existenten Gutachten, welche Fehler man selbst aufdecken kann. Gleichwohl macht es einen erheblichen Unterschied, ob renommierte Gegengutachter wie Prof. Dr. Leitner oder Müller-Hahn oder man selbst als psychologischer Laie Fehler aufdeckt. Je nach Fall mag es daher angemessen sein, sich externer Hilfe zu bedienen. Dieser Artikel ist hier nur ein erster Leitfaden zur Hilfe zur Selbsthilfe, der niemals Expertisen solcher Fachleute ersetzen kann.

Zuallererst, möglichst noch vor Gutachtenerstattung, sollte man die Qualifikation des Gutachters abklären. Handelt es sich um einen einfachen Psychologen, einen psychologischen Psychotherapeuten, einen Psychiater? Hat der Gutachter bereits viele Gutachten erstattet? Ist er von einer Psychologenkammer als Sachverständiger anerkannt? Auf all das sollte man achten. Auch im Internet kann man sich über den Ruf informieren. Vielleicht kann man auch bei Gericht herausfinden, ob dort nur dieser Sachverständige tätig ist oder auch andere. Ein quasi Monopol spricht für eine gewisse Beeinflussbarkeit durch das Gericht.

Welches sind Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Weiterhin ist zu überprüfen, ob das Gutachten überhaupt prüffähig ist. Prüffähig heißt dass das Gutachten aus sich heraus verständlich sein muss. Alle Schlüsse des Gutachters müssen begründet sein. Für jede Begründung muss es Belege geben. Der Schluss muss logisch sein. Wenn dies nicht gegeben ist, dann muss das Gericht ein solches Gutachten ablehnen. Denn ein Gutachten, das man nicht auf Richtigkeit prüfen kann, ist für das gerichtliche Verfahren wertlos. An dieser Stelle möchte ich auch darauf hinweisen, dass selbstverständlich auch Literaturangaben und Ähnliches zu dieser Frage der Prüffähigkeit gehören. Es ist wichtig zu prüfen, ob die behaupteten Aussagen der Fachliteratur so richtig sind. Ein anderes häufiges Problem ist die Tatsache, dass oftmals die Gerichte auch sehr alte Literatur zulassen. Dabei muss ein Gutachten immer den aktuellen Stand der Forschung und Wissenschaft wiedergeben.

Eine weitere wichtige Frage ist, ob denn der Sachverständige auch alle Tests die er geführt hat auch im Gutachten verwendet und verwertet. Er kann nicht einfach missbilligte Ergebnisse unter den Tisch fallen lassen. Weiterhin gehört zu einer seriösen Prüffähigkeit die Übergabe der Bögen, die für die Tests ausgefüllt worden. Denn nur so kann auch geprüft werden, ob die Tests richtig ausgewertet wurden. Ich habe selbst auch immer nach den entsprechenden Tests im Internet gesucht, oftmals finden sich hier Anhaltspunkte was falsch oder richtig ist. Ein Elternfragebogen kann z.B. nicht durch eine Lehrerin ausgefüllt werden. Ein Fragebogen für einen sechsjährigen kann nicht durch einen siebenjährigen beantwortet werden. Oftmals vergessen die Sachverständigen auch das Ergebnis des konkreten Tests in Korrelation zum Durchschnitt aller, die den Test ausgeübt haben anzugeben. Wenn Auffälligkeiten behauptet werden, muss ein Abweichen von der Norm bestehen. Wer aber nicht schlüssig dargelegt, dass ein Abweichen von der Norm besteht kann hier auch nicht negativ über einen Probanden sprechen.
Weiter ist zu hinterfragen, ob der Sachverständige auch die ganze Akte berücksichtigt hat. Oftmals kommt es vor, dass im Rahmen der Aktenanalyse zum einen unsystematisch vorgegangen wird. Oftmals wird dem Sachverständigen auch vom Gericht nur ein Teil aller Informationen zur Verfügung gestellt. Am häufigsten ist es so, das Sachverständige nicht alle Informationen berücksichtigen, sondern einseitig Informationen zulasten einer Person.

Ist alles von einem Psychologen ein Gutachten?

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass auch nicht alles ein Gutachten ist, was so benannt ist. Z.B. gibt es reine Stellungnahmen, wenn ohne Exploration von Kind und ohne Exploration der Eltern und ohne Interaktionsbegutachtung ein Gutachten nach Aktenlage erfolgt. Denn wenn keine der drei Säulen der familienpsychologischen Begutachtung ausgeführt sind, liegt eben auch kein Gutachten vor, sondern eher an Kaffeesatzleserei grenzendes Vorgehen.
Spannend ist auch die Frage, ob der Sachverständige Zeugen hören darf, ohne dass sie hier mit anwesend sind. Zwar mag im Rahmen seines Auftrages der Sachverständige hierzu ermächtigt sein. Man muss dies aber sofort bemängeln und um Richtigstellung ersuchen, so dass eine ordentliche Beweisaufnahme vor Gericht stattfindet. Viel besser finde ich aber, wenn wir von Anfang an beim Gericht darauf hinwirken dass die Beweisaufnahme vor der Begutachtung stattfindet. So sind Fehlreaktionen aufgrund Fehlgutachten via einstweilige Anordnungen vermeidbar.

Soweit psychiatrische Erkrankungen eine Rolle spielen, dass ein normaler Psychologe nicht mehr tätig sein. Denn für solche Diagnostik benötigt man eine Approbation. Ein Psychologe ist hierzu nicht in der Lage. Behauptungen, jemand sei krank, kommen vor, sind aber strafbare Verleumdung. Zwar wird die Auffassung vertreten, dass im Rahmen des Auftrags zum Gutachten Psychologen alles dürfen. Meiner Meinung nach ist § 1PsychThG aber deutlich andere Meinung und verbietet jedem gegenteiliges Handeln.

Wichtig ist dass alle Tatsachenbehauptungen im Gutachten von Dritten sofort mit Gegenbeweisen widerlegt werden. Sobald aber eine Aussage vom Sachverständigen zulasten berücksichtigt wird, obwohl es auch Gegenbeweise gibt, sind die Anknüpfungstatsachen nicht geklärt und das Gutachten unverwertbar. Hier ist die Arbeit der Eltern gefragt, die selber am besten Lügen beurteilen können.

Häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten

Dies ist nur ein kleiner Überblick über mögliche Problempunkte und wie diese Problempunkte angegangen werden können. Ergänzend habe ich eine Reihe an Videos hierzu veröffentlicht, die zu den einzelnen angesprochenen Punkte und mehr noch mehr ins Detail gehen als dieser Artikel. Denn leider sind häufige Fehler in familienpsychologischen Gutachten alltag…

Weiterführend: Artikel von Leitner

Methodenkritische Stellungnahme vs. familienpsychologisches Gutachten

Der Showdown in vielen Familienverfahren: Methodenkritische Stellungnahme vs. familienpsychologisches Gutachten. Doch was ist der Unterschied zwischen einem familienpsychologischen Gutachten und einem Gutachten, das nur eine Methodenkritische Stellungnahme darstellt? Diese Frage stellt sich für jeden, der über renommierte „Gegengutachter“ wie Leitner gegen ein gerichtliches Gutachten vorgeht.

Familienpsychologisches Gutachten

Ein familienpsychologisches Gutachten soll für das Gericht herausfinden, ob psychologisch Anhaltspunkte für eine Gefahr für das Kind bestehen. Hierzu werden Tests durchgeführt und beobachtet, wie das Kind mit den Eltern umgeht.

Die methodenkritische Stellungnahme

Eine methodenkritische Stellungnahme hingegen klärt diese Fragen des gerichtlichen Gutachtens nicht. Es fokussieren sich ausschließlich darauf, ein gerichtliches Gutachten zu zerstören. Dazu werden Fehler, falsche Herangehensweisen, abweichen vom Gutachtensauftrag und Ähnliches herausgearbeitet. Eine solche Stellungnahme kann dem Gericht aber nicht die Kenntnisse geben, die das Gericht benötigt um zu entscheiden. Stattdessen muss das Gericht im Idealfall dann ein neues Gutachten einholen.

Wer also eine solche Methodenkritische Stellungnahme angefordert, muss sich bewusst sein dass damit allein der Fall nicht gewonnen wird. Zwar ist die Erziehungsfähigkeit aus Art. 6 Abs. 2 GG bei jedem Elternteil immanent. Gerade in Fällen aber, in denen Fehlverhalten behauptet wird mag dies nicht die alleinige Lösung sein. Die methodenkritische Stellungnahme ist nur ein Mittel, um das Gericht auf den rechtlich richtigen Weg zu bringen. Dazu gehört insbesondere das Hinterfragen von Zeugenaussagen, Beweiserhebungen et cetera. Das Gericht muss also einfach der Amtsermittlung nachkommen. Eine methodenkritische Stellungnahme wie ein familienpsychologisches Gutachten ändern an diesen eigentlichen Problemen nichts.

Jeder, der eine solche Stellungnahme einholt, muss also wissen, dass er damit nur einen kleinen Bereich des Verfahrens gestaltet, und das gegebenenfalls für mehrere 1000 €. Ein eigenes Gutachten scheitert oft daran, dass nur wenige seriöse Gutachter diese auf private Rechnung ohne Anforderung des Gerichtes tätigen. Zudem haben viele Eltern im Verfahren keine Möglichkeit, einen Gutachter mit den Kindern zusammenzubringen. Ein solches Gutachten kann daher nicht das erreichen, was das Gerichtsgutachten (unterstellt das Kind nimmt teil) leisten könnte.

Kein Rechtsgutachten bezahlen!

Zu warnen ist zudem vor Gutachten, die sich hauptsächlich mit den Fragen der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts auseinander setzen. Denn in diesen wird der eigentliche Kern der Beweisproblematik ebenso wenig bearbeitet noch genügend diese den Anforderungen an gerichtliche Gutachten.

Wie so oft aber sind alles dies Einzelfragen, die in komplexen Fällen immer in enger Absprache mit einem fundiert arbeitenden Anwalt getroffen werden müssen.

 

Wie ich mich gegen Gutachten einlasse

Wie lasse ich mich ein bei einem Gutachten
Beispiellink: https://www.facebook.com/sven.grundel.73/posts/1579360198798647?pnref=story

Was jeder Anwalt im Familienrecht weiß: im Kampf ums Sorgerecht ist beinahe jedes zweite Gutachten mangelhaft. Sachverständige arbeiten unwissenschaftlich und unsauber. Wie man die häufigsten Fehler der Psychologen und Psychiater erkennt, das schildere ich in dieser Reihe, damit nicht weiter mit Kindern Kasse gemacht wird. Somit kann man auch ohne Anwalt oder ohne ein psychologisches Studium versuchen bei Gericht gegen ein solches Gutachten anzugehen.
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