Interview Joe und Christa aus Activi Live vom 20.08.2017

 

7 Kommentare
  1. Alva
    Alva says:

    Ausländische Väter haben – ähnlich wie Großeltern- keine Fürsprecher.
    Selbst die Vätervereine wollen in diesen Fällen nichts mit der Sache zu tun haben.
    Vielleicht ist das der Grundrassismus, der vielerorts vorherrscht.
    Noch viel schlimmer ist jedoch, dass gerade die Justiz in so vielen Fällen offenbar rassistisch agiert.
    Ein Beispiel, das gut zu der Geschichte des im Interview erwähnten haitianisch-amerikanischen Vaters, der ja ganz selbstverständlich in Deutschland auch nicht Vater sein darf und nichts zu bestimmen hat, passt:

    Ein abgelehnter Asylbewerber aus Nigeria, ausreisepflichtig geduldet, lebt acht Jahre unbehelligt und überwiegend – abhängig von der jeweiligen Rechtslage – arbeitstätig in Deutschland.
    Er wird Vater eines deutschen Kindes, erkennt die Vaterschaft an, übernimmt Verantwortung.
    Die Beziehung zur deutschen Mutter scheitert, es kommt zu größeren persönlichen Differenzen, die dazu führen, dass der Vater eine gerichtliche Umgangsregelung durchsetzt. Der Tenor des Gerichts: Der Vater ist gut für das Kind, das ihn auch zur Identitätsfindung brauche, es muss zwei Mal in der Woche Umgang stattfinden. Die Mutter legt Beschwerde dagegen beim zuständigen OLG ein.

    Durch notwendige Umzüge der Mutter findet zunächst kein Umgang statt.
    Darauf beantragt der Vater wiederum die Regelung des Umgangs, bzw. die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts, bzw. des Sorgerechts beim nun durch den Umzug zuständigen Familiengericht.
    Das Familiengericht leitet den Antrag des Vaters gar nicht erst weiter an die verfahrensbeteiligte Mutter – später telefonisch begründet die Richterin dies damit, dass sie die Mutter nicht habe „unnötig erschrecken wollen.“
    Es findet ein Termin statt, in dem ein Umgangsvermittlungsverfahren durchgeführt wird- mit dem Ergebnis,
    dass nun begleiteter Umgang unter Leitung und Aufsicht des Kinderschutzbundes stattfinden soll.
    Zwischenzeitlich hatte das OLG den Beschluss des ersten Familiengerichts bestätigt, wonach der Vater zwei Mal die Woche Umgang mit seinem Kind pflegen dürfe.
    Erneut zieht die Mutter um, ein drittes Amtsgericht ist nun zuständig.
    Die Terminierung der zehn zunächst vom nun zuständigen Jugendamt vorfinanzierten begleiteten Umgängen beim Kinderschutzbund gestaltet sich schwierig – da der Kinderschutzbund nur samstags begleiteten Umgang durchführen kann.
    So kommt es, dass kein regelmäßiger Umgang stattfindet, worüber sich beide Eltern beschweren.
    Der Kinderschutzbund sagt zuletzt Umgangstermine mit der Begründung, dass Umgang in „zeitlicher Nähe zu ausländerrechtlichen Entscheidungen“ nicht stattfinden solle, einfach ab, so dass der mittlerweile von den Mitarbeitern des Kinderschutzbundes und des zuständigen Jugendamtes völlig entnervte Vater wiederum einen Antrag bei Gericht stellt, da er hinter der Umgangsaussetzung den bösen Willen der Mutter vermutet.

    Doch auch die Mutter ist über die Aussetzung des Umgangs wegen des Kindes nicht zufrieden.
    Durch die Richtigstellung der Mutter, dass sie mit der Umgangsaussetzung gar nichts zu tun hat, sondern allein der Kinderschutzbund dies so entschieden habe, sieht sich die Richterin des das Umgangsvermittlungsverfahren durchführenden vorherigen Familiengerichts dazu in der Lage, per Beschluss zu konstatieren, dass das Umgangsvermittlungsverfahren wegen des Unwillens beider Parteien gescheitert sei.
    Dadurch sei nun das Familiengericht des Wohnortes der Mutter, an dem auch die Umgänge stattgefunden hatten, zuständig.

    Der zuvor schon dort gestellte Antrag des Vater kommt zum Tragen, wiederum wird nur ein betreutes Umgangsrecht nach den vorherigen Konditionen, also abweichend von der Entscheidung des OLG, zugestanden.

    Der Vater ist dermaßen frustriert, zudem durch den Tod seines Vaters in Nigeria in einer Krise, dass er sich mit dem zuständigen ASD-Mitarbeiter überwirft; er wirft ihm vor, dass der von einer Ehrenamtlichen begleitete Umgang schon fast einer Adoption gleichkäme und der Mitarbeiter, der dies gut heiße, kriminell sei, denn schließlich habe das OLG ja zuvor anderes beschlossen.
    So kommt es, dass der Vater keine Umgangstermine mehr wahrnimmt, auch, weil zuvor der Kinderschutzbund, der zur Durchführung der Umgangstermine verpflichtet worden war, nun eine Zusammenarbeit mit dem Vater ablehnt.

    Gleichzeitig attestiert dieser Kinderschutzbund dem Jugendamt gegenüber, dass bisher alle Umgänge störungsfrei und gut für das Kind verlaufen seien, dem Vater bezüglich des Umgangs nichts vorzuwerfen sei.

    Gegen den Beschluss des Familiengerichts legt der Vater Beschwerde beim OLG ein.
    Zwischenzeitlich wird plötzlich – nach acht Jahren! – der Vollzug der Abschiebung vehement verfolgt.
    Vor dem Verwaltungsgericht wird das Jugendamt gehört – wieder derselbe ASD-Mitarbeiter, der den Vater nun offen ablehnt. Er attestiert in einer Stellungnahme dem Verwaltungsgericht gegenüber, dass „das Kind keinen Vater brauche“!

    Der Vater sucht wiederum einen Anwalt auf, fatalerweise in der Nähe des Jugendamtes. Dieser Anwalt rät seinem Mandanten, er solle sich außergerichtlich mit der Mutter einigen und die Beschwerde beim OLG zurücknehmen.
    Das tut der Vater – und macht damit selbst unwissentlich den Weg zu seiner eigenen Abschiebung frei.

    Der Vater denkt, das Bestreben, sein Kind erziehen zu wollen, schütze ihn vor Abschiebung, der ASD-Mitarbeiter beschwichtigt, es handle sich um ein „Missverständnis“, das sich kläre.
    Ein Umgangstermin soll nun plötzlich – nach monatelanger Aussetzung- doch wieder stattfinden und zwar im Kindergarten des Kindes.

    Dieses Vorhaben wurde der Mutter erst kurz vor Termin durch den Kindergarten bekanntgegeben, der der Mutter auftrug, sich beim ASD-Mitarbeiter sofort zu melden.
    Empört lehnt die Mutter schon aus Datenschutzgründen einen Umgang im Kindergarten ab – nicht wissend, dass dies der „Abschiedstermin“ für Vater und Kind werden sollte.
    Aber auch der Vater möchte keinen begleiteten Umgang im Kindergarten.

    So kommt es, dass der Vater einen Monat vor Weihnachten nächtens aus seiner Wohnung abgeholt wird und in Handschellen abgeschoben wird – ohne dass dies z.B. Mutter und Kind mitgeteilt worden wäre.
    Zynischerweise hätte sich im Januar die Rechtslage geändert – der Vater hätte dann einen Aufenthaltstitel erhalten müssen.

    Selbst seinerzeit gab es entsprechende Gerichtsbeschlüsse, wonach der Vater eines deutschen Kindes nicht abgeschoben werden dürfe. Trotzdem wurde der Vater aus dem Land entfernt.

    Die wenigsten wissen, was Abschiebung tatsächlich bedeutet.
    Für den abgeschobenen Vater bedeutete es zunächst eine lebenslange Einreisesperre, die man später befristen lassen konnte, sowie ein Gesichtsverlust in der Familie in Nigeria, den Verlust des Kindes.
    Zerstörte Lebensträume, Lebensplanungen.

    Für das Kind, das von der Abschiebung nach Willen der Behörden gar nichts erfahren sollte, bedeutete es den endgültigen Verlust des Vaters, den das Kind sehr gerne mochte. Dem Kind wurde ohne Not letztendlich durch das Jugendamt der Vater genommen, ihm wurde auferlegt, dass er ohne dessen Beistand, Begleitung und Zuwendung aufwachsen müsse.

    Für die Mutter des Kindes bedeutete es, dass sie künftig alleine in allen Belangen des Kindes verantwortlich war, der Vater z.B. auch zum Unterhalt nichts mehr beitragen konnte.

    Die Mutter bemühte sich über die Ausländerbehörde, den Aufenthaltsort des Vaters zu erfahren, damit wenigsten ein postalischer Kontakt zum Vater bestehen könnte, konnte dies jedoch erst durch Einschaltung diverser Politiker und des Bürgerbeauftragten.

    Die gemeinsamen Bemühungen der Eltern, dem Vater eine Rückkehr nach Deutschland zu seinem Kind zu ermöglichen, scheiterten allesamt.
    Ein Blick in die Ausländerakte brachte erst sehr viel später – zu spät – Klarheit: Dort wurden strafrechtliche Vorwürfe gegen den Vater erhoben: Straftaten, begangen in Deutschland zu einem Zeitpunkt, als der Vater jedoch schon lange nachgewiesen abgeschoben worden war, es sich also um eine Verwechslung gehandelt haben musste.
    Nichtsdestotrotz gestand die Behörde ihren Fehler nie ein, d.h. es wurde zu Unrecht eine weitere Einreisesperre verhängt und der Vater am persönlichen Umgang mit seinem Kind weiter gehindert.

    Man sieht hieran, wie sämtliche Beteiligte ihren rassistischen Vorurteilen erlagen:
    (Achtung Zynismus)
    Natürlich will man hier keinen „Asylbetrüger“(wann ist man das eigentlich?), will keinen Nigerianer, denn die dealen ja alle mit Drogen (tatsächlich?), will keinen Schwarzen, der sich mit den Obrigkeiten – vor allem im Jugendamt – anlegt und sein Recht durchsetzen möchte, will keinen „Wilden“ hier, der sich so einfach eine deutsche Frau genommen hat (ist natürlich auch eine Schlampe, wenn sie mit „so einem“ gegangen ist), will keinen Ausländer, der Vater wie alle sein möchte.
    Da machen alle mit. Selbst der Anwalt, der obwohl er die Konsequenzen für seinen Mandanten kannte, seinem Mandanten dennoch den absolut falschen Rat gab, er solle die Beschwerde beim OLG zurücknehmen.
    Macht doch nichts. Oder?

    Die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende. Aber der Rest würde den Rahmen sprengen.

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  2. Christina Tepen
    Christina Tepen says:

    Danke für diesen tollen Bericht – wir werden ihn überall verteilen, damit die Menschen wissen, welche Unmenschen in der Administration und bei der Justiz arbeiten.

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