Knastpraktikantenerfahrungen

Knastpraktikanten-Erfahrungen: Die kleinen Nicklichkeiten im Haus

Für den Knastpraktikanten ist das Leben ja nicht so einfach, wie Ihr Euch das vorstellen mögt. Man kommt also an in Nürnberg, ohne wirklich richtige und wichtige Informationen zu haben. Die Infos auf der Homepage sind falsch oder ungenau, was Privatsachen mitnehmen angeht. Trotzdem bekommst Du ja alles, das Du an lebensnotwendigen Dingen brauchst, zur Verfügung gestellt: Von der Zahnbürste über Duschgel, Rasierer, Rasierpinsel und Rasierschaumseife.

Knastpraktikantenmathematik: Größe 46 ist gleich Größe 45!

Als ich also ankam, bekam ich erst einmal neue Kleidung. Niemand schreibt ja auf der Homepage wie die Voraussetzungen von Privatkleidung sind, die man grundsätzlich tragen darf. Also raus aus den Boxershorts und rein in den Feinripp… Wie die Macht im Knast verteilt ist und wie diese ausgespielt wird, lernst Du erst später: Meine Schuhe hatten Gr. 45 – „bestellt“ war die 46, meine Hausschuhe hatten Größe 46. Gibt es eine andere Erklärung als Schikane, vorallem als ich auf dem Flur mitbekam dass andere das Problem zu kleiner Schuhe auch hatten. Da ich mich ja als unscheinbarer Praktikant ausgab und nicht mit Beschwerden auffiel, hab ichs also bis zur ersten Blase hingenommen. Danach hab ich den Schuh hinten umgeknickt und als Pantoffel getragen.
Schlimmer wars mit dem Mantel, der nicht eine Größe zu klein war sondern mindestens vier Größen. Meinen Bauch konnte das Teil nicht annähernd umhüllen. Somit hab ich für den Hofgang alles an Kleidung getragen was es so gab, um der Kälte nicht ausgesetzt zu sein.

Woher dieser Fehler, wenn doch alle andere Kleidung passt?

Schikane am Knastpraktikanten?

Ich kann das Ganze nur mit Schikane erklären. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Der Hausarbeiter im Eingangsbereich, der den Korb auffüllt, freut sich dass er Knastpraktikenten zeigen kann, wer der Boss ist. Genau deshalb waren ja auch kein Briefpapier und keine Kouverts in meinem Korb.

Natürlich hätte ich mich wehren können. Aber sind wir doch einfach mal ehrlich: Ein eingeschüchterter Häftling wird sich ebensowenig wehren wie der, der kaum oder kein Deutsch spricht.

Die Qualität eines Landes erkennst Du daran, wenn Du Dir ansiehst, wie es mit seinen Schwächsten umgeht. Und am schlimmsten sind diejenigen der Schwachen, denen Du ein wenig Privilegierung zukommen lässt.

 

Das Fazit zu meinem Urlaub lest ihr hier, den Brief aus dem Knast hier und die Presseberichterstattung hier

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